Der Tod eines Anarchisten in der Dominikanischen Republik

Leben und Sterben des Heinrich Goldberg alias Filareto Kavernido

Elf Kugeln beendeten am 16. Mai 1933 das Leben von Heinrich Goldberg. Im Staub eines schmalen Pfades verblutete der deutsch-jüdische Anarchist in der Dominikanischen Republik. Den Mord haben vermutlich Lokalpolitiker mit Billigung des Diktators Rafael Trujillo organisiert. Das Verbrechen ist bis heute ungesühnt.

von Hans-Ulrich Dillmann, ila – Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika, April 2012

Nach Einbruch der Dunkelheit waren die Mörder gekommen. Zeugen sprechen von 21 Uhr, als zwei Fremde auf dem Grundstück der landwirtschaftlichen Gemeinschaft in Arroyo Frío auftauchten. Auf der Terrasse des einfachen Holzhauses zogen die maskierten Mörder Waffen und forderten Heinrich Goldberg und seinen Genossen Karl »Carlos« Uhrig auf, ihnen zu folgen. Goldberg, den die Historiker eher unter seinem Pseudonym Filareto Kavernido kennen, hatte sich gerade an den Tisch gesetzt.

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Geflüchtet und jetzt verfolgt

Nach dem verheerenden Erdbeben vor eineinhalb Jahren haben Hunderttausende HaitianerInnen in der Dominikanischen Republik Zuflucht gesucht. Dort dienen die MigrantInnen immer öfter als Sündenbock.

von Hans-Ulrich Dillmann, die wochenzeitung, Zürich 14.07.2011

Blacide Michelin hat eine neue Bleibe gefunden. Ein Holzverschlag, zwei mal drei Meter groß. Eine dünne Holzwand, die mit alten Tüchern verhängt ist, trennt die Unterkunft vom Nachbarraum, in dem eine junge Familie wohnt. «Besser als nichts», sagt sie achselzuckend, «ich hatte keine andere Perspektive.» Die Haitianerin lebt seit dem Erdbeben in ihrer Heimat im Januar 2010 in der Dominikanischen Republik, sechs Autostunden von ihrem alten Haus entfernt. Haina heißt die Vorstadt von Santo Domingo, benannt nach dem Fluss, der das Wohngebiet vom Industriehafen der dominikanischen Hauptstadt trennt. Ein neues Leben liegt vor ihr – so hofft die 43-Jährige wenigstens.

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Auf die Beine stellen

Israelische Physiotherapeuten und deutsche Orthopädietechniker helfen Erdbebenopfern

von Hans-Ulrich Dillmann, Jüdische Allgemeine, 25. November 2010

Ovinel Henrys muss sich mächtig konzentrieren. Sein Mund sieht verkniffen aus, die Muskulatur ist erkennbar angespannt. Vorsichtig setzt er den linken Fuß auf. Dann hebt er rasch das rechte Bein an, fasst Tritt. Seine Hand stützt sich auf eine Krücke. Ein weiterer Schritt. »Du musst kleinere Schritte machen«, sagt Shany Shiraz mit heiserer Stimme auf Englisch. Rechter Fuß, linker Fuß. »Du musst dir Zeit nehmen«, fügt Übersetzer Guy Thomas im haitianischen Kreyól noch hinzu. Aber Henry hat keine Zeit. Mit großen Schritten strebt er aus dem Behandlungsraum, hinaus auf den Hof des Hôpital Général, des Zentralkrankenhauses in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Der 50-Jährige will wieder gehen können.

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Die ganze Geschichte

Die Blicke der Überlebenden

Epizentrum - Wie ist das, wenn eine Stadt in Trümmern liegt? Und wenn man als Journalist, statt zu helfen, nur Notizen macht? Ein Erfahrungsbericht aus Haiti

von Hans-Ulrich Dillmann, die tageszeitung, 30. Januar 2010

Ich sitze in meinem Hotelzimmer im zehnten Stock des Sheraton in Puerto Ricos Hauptstadt San Juan und schaue auf den Hafen. An diesem Dienstagnachmittag liegen drei Kreuzfahrtschiffe am Pier und verdecken mir den Ausblick auf die schöne Altstadt. Morgen habe ich einen Termin mit einem Zeitungsverkäufer vereinbart, der seinen Stand seit 60 Jahren vor dem Justizpalast betreibt, und werde die Klofrau Hilda López interviewen, die schon Nikita Chruschtschow begrüßen konnte, auf dem Weg zum stillen Örtchen. Ein geruhsamer Tag soll es werden und ein noch besserer Abend auf dem Abschlussfest des diesjährigen Caribbean Marketplace, der karibischen Tourismusbörse.

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»Die Erben des alten Bocks«

Vor 40 Jahren fiel der dominikanische Diktator Trujillo einem Attentat zum Opfer. Sein Nachfolger Balaguer zieht noch immer die Fäden im Land.

Langsam drehen sich die Tanzpaare im typischen Wiegeschritt eines Merengue. Krächzend intoniert die Kapelle den Hit der Merengue-Saison des Jahres 1961: Mataron el Chivo.

Von Hans-Ulrich Dillmann, Berliner Zeitung, Magazin, 26. Mai 2001

»Sie haben den Ziegenbock getötet«: »Das Volk, es feiert/Mit großem Geschrei/Das Fest des Ziegenbocks/Am dreißigsten Mai«, heißt es im Refrain. Auf dem alten Schwarzweißfilm ist festgehalten, wie die Bevölkerung der Dominikanischen Republik damals auf ihre Weise das Attentat auf Diktator Rafael Leónides Trujillo Molina würdigte, der als allbekannter Schürzenjäger im Volksmund heimlich »der Ziegenbock« genannt wurde.

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