»Wir sind so stark wie noch nie«

Die Touristenindustrie der Dominikanischen Republik boomt nach wie vor – trotz Krise an der Nordküste

Die Vertreter der dominikanischen Tourismusindustrie haben derzeit gut lachen. Die Konjunktur brummt, der »Kaminlosen Industrie«, dem Devisenbringer Nummer eins, geht es so gut wie noch nie.

von Hans-Ulrich Dillmann, CariLat.de, 20. Juni 2012

Satte neun Prozent mehr Touristen haben im ersten Quartal des Jahres 2012 die Dominikanische Republik, die sich mit Haiti die zweitgrößte Karibikinsel teil, besucht und dem Land einen neuen Besucherrekord beschert. Insgesamt generiert der Tourismus nach Auskunft des Vizepräsidenten der Hotel- und Tourismusvereinigung Asonahores, Arturo Villanueva, inzwischen vier Milliarden US-Dollar Devisen. Und nimmt damit die Spitzenposition bei den Deviseneinnahmen ein, vor den Erlösen aus den lohnveredelnden Freihandelszonen (3,7 Milliarden US-Dollar) und den Überweisungen der im Ausland lebenden Dominikanerinnen und Dominikanern (3,2 Mrd. US-Dollar).

»Wir sind so stark wie noch nie«, schwelgte Tourismusminister José Francisco García Fernández auf der diesjährigen dominikanischen Tourismusmesse DATE. Die Zahl von 1,2 Millionen Besucher in nur drei Monaten übertreffe jede Erwartung, betonte García. Auch die Welttourismusorganisation (WTO) habe nur mit der Hälfte dieses Zuwachses gerechnet. »Das ist ein Rekord bei den Ankünften in der gesamten Geschichte der Dominikanischen Republik«, sagte der Minister. Das geschätzte Plus für das Jahr 2012 beziffert García auf »um die neun Prozent«.

Im Detail betrachtet, stagniert der europäische Tourismus seit Jahren jedoch, die Zahl der Besucher aus einigen Ländern der Europäischen Union ist sogar rückläufig, wenn auch nicht mehr so stark wie noch vor fünf Jahren. Allerdings schaffen es die Tourismusverantwortlichen immer wieder neue Märkte zu erschließen, und so die Einbrüche entsprechend zu kompensieren. Polen ist stark umworben, auch Ungarn und aus Tschechien wird es ab Herbst einen ersten Direktflug geben.

Spitzenreiter in Europa sind – auch aufgrund der Flugkapazitäten – nach wie vor die Franzosen. Etwas mehr als eine viertel Millionen verbrachten im vergangenen Jahr ihre Ferien in den dominikanischen Touristenzentren, vor allem an der Ostküste von Punta Cana und Bávaro.

Frankreich hat sich damit in der Ankunftsliste nach den USA (1,286 Millionen Urlauber) und Kanada (665.640) auf Platz Drei etabliert. An vierter Stelle liegen die Deutschen mit 182.529. Im ersten Quartal waren es 52.754. Beim deutschen Tourismus wird in diesem Jahr von Kennern der Materie kaum Veränderungen erwartet. Neue Flugkapazitäten sind nicht zu erwarten, allerdings sind die Flugsitze weitgehend ausgebucht, schätzt Rolf Eckstein, vom Caribbean Tourist Services, der den deutschen Reiseveranstalter Rewe in der Dominikanischen Republik vertritt.

 

Geschlossene Hotels an der Nordküste

Apfelsinenverkäufer in Samaná

Dass die »DomRep«, wie sie unter Urlaubern genannt wird, nicht mehr das Zugpferd in Deutschland (2000 noch 451.920 Besucher) ist, merkte man auch an der geringen Präsenz von Vertretern der deutschen Reiseveranstalter auf der Tourismusmesse DATE Mitte April in Punta Cana. Lediglich zwei waren vertreten. Hillegonda Hillmann, Produktmanagerin von Airtours: »Derzeit tut sich wenig. Der Markt ist stabil aus deutscher Sicht.« Gute Chancen sieht Hillmann nach wie vor im Luxusmarktsegment leichte Zuwächse. Die Dominikanische Republik lobt Hillmann, sei in allen Segmenten »unschlagbar im Preis-Leistungsverhältnis«.

Rolf Eckstein, der seit Jahren auf der Insel lebt, teilt den Optimismus des Tourismusministers über ein gutes Jahr. »Eigentlich sinken nach Ostern die Belegungsraten in den Hotels. In diesem Jahr melden die meisten Resorts in diesem Zeitraum noch immer gute Buchungen.« Für Schnäppchenjäger ist die »DomRep« längst kein Paradies mehr. Die Preise für einen zweiwöchigen Ferienaufenthalt haben erheblich angezogen, denn drei Sterne Einrichtungen finden sich unter den knapp 67.000 Zimmer kaum noch.

Besonders die Region um Puerto Plata leidet unter den rückläufigen Besucherzahlen. Viele Hoteliers haben es in den Boomjahren versäumt, die fetten Gewinne auch in die Modernisierung und Verbesserung ihrer Anlagen zu stecken. Die nicht vorgenommenen Investitionen rächen sich bitter. In Sosúa hat das letzte Alles-Inklusive-Hotel »Sosua Bay« nach der diesjährigen Wintersaison die Pforten geschlossen.

Im Ferienkomplex »Playa Dorada«, östlich von Puerto Plata haben zwei Hotels (Allegro Resort und Jack Tar Village) mangels Kundschaft dichtgemacht, ein drittes Viva Wyndham wird »vorübergehend nicht betrieben«. »Wir nutzen die Nebensaison, um Routinearbeiten zur Instandhaltung vorzunehmen«, verkündete Viva-Sprecherin Amanda Santana. Und im Westen der nördlichen Hafenstadt waren die Besucherzahlen in den drei Hotels des Riu-Konzerns in den zurückliegenden Wintermonaten so rückläufig, dass das Riu Mambo mit 463 Zimmern den Betrieb eingestellt und 250 Angestellte entlassen hat.

Im Gegensatz zu Puerto Plata boomt die östliche Region Hispaniolas um Punta Cana. Die Jugendsünden des Tourismus haben die dortigen Hotelbetreiber nicht begangen und frühzeitig ihre Anlagen auf die Nachfrage angepasst und aufwendig modernisiert. Heute besuchen mehr als zwei Drittel aller Touristen die dominikanische Ostküste mit ihren mehr als 60 Kilometer langen Sandstränden.

Das größte Wachstum verzeichnet dabei die dominikanische Zentralbank bei russischen Touristen. In den letzten zehn Jahren hat sich hat sich die Zahl der Russinnen und Russen mehr als verzehnfacht. Im Vergleich zum Jahr 2010 stieg deren Anzahl von rund 80.000 auf über 124.000 um mehr als 55 Prozent. Inzwischen landen pro Woche vier Maschinen aus Moskau, ab Herbst wird ein weitere russische Fluglinie Transaero Moskau und Puerto Plata verbinden. »Im ersten Quartal 2012 betrug die Steigerung bei den Russen 67 Prozent, Tendenz steigend«, betont Minister García.

Das gute Wetter lockt immer mehr Russen

Während in Europa die Fernreisenden jedoch lieber jeden Cent zwei Mal umdrehen, bevor sie ihn für teure Flugreisen ausgeben, sind die Russen als finanzkräftige Reisende in der Dominikanischen Republik sehr willkommen. »Sie schauen nicht auf den Euro«, freut sich Julio Lliure, der Präsident der Hotel- und Tourismusvereinigung Asonahores. Und wenn die Zahlen weiter so steigen, dürften die russischen bald die deutschen Touristen von Platz Vier der Beliebtheitsskala verdrängen. Neben der Dominikanischen Republik sind in der Karibik noch die mexikanische Karibikküste (40.000) und Kuba mit 70.000 Russen sehr beliebt. Auch von dort werden wieder zweistellige Wachstumsraten gemeldet.

»Man spricht russisch«, heißt es inzwischen zwischen Punta Cana, La Romana, Samaná und Puerto Plata auf Speisekarten, Stadt- und Straßenplänen und Ankündigung für Sehenswürdigkeiten. Mit riesigen Reklametafeln werben Immobilienmakler und Ferienapartmentbesitzer um die kaufkräftigen Russen.
Nach einer Umfrage unter den Besuchern motiviert diese besonders das gute Wetter, die feinen Sandstrände und die preiswerten Unterkunftsangebote für die Reise in die Karibik. An erster Stelle, so García Fernández, stünden aber die Zufriedenheit mit der Behandlung durch die dominikanische Bevölkerung. »Sie sind freundlich, natürlich, solidarisch und hilfsbreit«, so empfänden die Urlauber ihren Kontakt mit den Einheimischen. »Das ist unser Plus.«

Boomsektor: Kreuzfahrtschiffe

Nationalität

2011

2010

2009

2006

Gesamt

3.702.997

3.521.110

3.415.616

3.342.106

Nordamerika

1.977.168

1.907.776

1.814.612

1.624.960

Europa

1.174.874

1.184.269

1.245.925

1.425.922

D

182.529

181.682

179.180

226.737

CH

25.411

28.209

28.724

31.023

Ö

9.120

10.114

10.297

9.171

Ranking Europa

Ranking EU

2011

2010

2009

2006

 

1. F  260.289

1. F  244.165

1. F  259.319

1. F  306.302

 

2. D  182.529

2. SP 189.724

2. Sp 230.593

2. SP 273.517

 

3. SP 171.353

3. D  181.682

3. GB 183.186

3. GB 242.559

 

4. GB 138.816

4. GB 169.919

4. D 179.180

4. D  226.737

 

5. Ru 124.319

5. I  100.052

5. I  121.317

5. I  144.115

 

6. I  104.852

6. Ru 79.868

6. Ru 54.414

 

 

10. CH  25.411

10. CH  28.209

10. CH 28.724

8. CH  31.023

 

12.  Ö 9.120

12. Ö  10.114

11. Ö  10.297

12.  Ö 9.171

Quelle: Banco Central, www.bancentral.gov.do

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