„Wir haben die Kurve gekriegt“

30. Caribbean Tourism Marketplace

In der Karibik gehen die Urlauberzahlen nach oben und bleiben die Preise stabil, aber die Hoteliers und die Regierungen der Inseln haben weniger in den Kassen

von Hans-Ulrich Dillmann, carilat.de, 21. Februar 2012

Für die Mehrheit der Karibikinseln war 2011 ein Superjahr. Der Besucherrekord von 23,1 Millionen Besucher im Jahr 2010 konnte noch einmal um 900.000 getoppt werden. Insgesamt erholten sich 24 Millionen Touristen an den Stränden der rund 25 Inselstaaten der Großen und Kleinen Antillen. Mit dem Zuwachs von gut vier Prozent sind die karibischen Hoteliers und Tourismusexperten zufrieden.

„Wir haben einen guten Job gemacht“, lobte der Präsident der karibischen Hotel- und Tourismusvereinigung Caribbean Hotel & Tourism Association (CHTA), Josef Forstmayr, auf dem 30. Caribbean Tourism Marketplace in der bahamischen Hauptstadt Nassau die Inselministerien und Fremdenverkehrszentralen. Beim Marketplace treffen ein Mal im Jahr Hoteliers, Inselpolitiker, Manager der Tourismusindustrie und von Fremdenverkehrs-zentralen mit den Einkäufern der internationalen Reiseveranstalter.

Im Vergleich zu 2009 konnten damit zum zweiten Mal infolge die „Kaminlose Industrie“, was die Besucherzahlen angeht, wieder schwarze Zahlen schreiben. Nachdem die Flut von Langstreckenreisenden nach dem Anschlag „9/11“ in den Vereinigten Staaten auch aus Europa rapide nachgelassen und sich in den folgenden vier Jahren wieder mühsam erholt hatte, brach 2007 mit der beginnenden weltweiten Wirtschaftskrise erneut ein.

Fluglinien strichen Direktflüge nicht nur aus den USA und Kanada, sondern auch die europäischen Reiseveranstalter reduzierten ihr Flugangebot. „Ein Teufelkreislauf folgte“, klagte der CHTA-Generaldirektor Alec Sanguinetti. „Keine Nachfrage nach Urlaubsdestination, keine Flüge, keine Flugangebote, keine Urlaubsbuchungen.

Auch Josef Forstmayr, der in Jamaika das sehr exklusive 100-Zimmer-Luxusresorts Round Hill managt, gibt sich für die Zukunft optimistisch. Auch für das Jahr 2012 rechnet er mit einer Zunahme. „Wir haben die Kurve gekriegt“, sagt Forstmayr.

Auch die einzelnen Länderzahlen stimmen ihn zuversichtlich. Nach wie vor ist die Dominikanische Republik mit 3,7 Millionen Besuchern Spitzenreiter bei den Karibikreisenden, wo vor allem die Ostküste rund um Bávaro und Punta Cana weiterhin boomt, dort landeten zum Beispiel rund 2/3 der insgesamt 182.500 Deutschen, die die Region besuchten. An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala liegt Kuba mit 2,7 Millionen Touristen, gefolgt von Jamaika mit rund 1,8 und den Bahamas mit etwa 1,3 Millionen Ferienreisenden. Besonders Lateinamerikaner und Russen haben in den letzten beiden Jahren die Karibik entdeckt, und die einzelnen Inseln können zweistellige Zuwachsraten in diesem Segment verzeichnen.

Den Anstieg insgesamt hätten sich die karibischen Hotelbetreiber jedoch teuer erkaufen müssen, klagt Josef Forstmayr. Um genügend Flugkapazitäten zu haben, hätten die einzelnen Inselregierungen wie bereits 2010 umgerechnet 37 Millionen Euro für Sitzplatzgarantien an die Fluggesellschaften bezahlt. „Das Risiko der Airlines ist gering mit solchen Subventionen. In Europa erzählen sie, dass sie uns bei der Entwicklung einer Tourismusindustrie helfen wollen, aber die 40 Millionen Einwohner der Karibik finanzieren das Ganze“, klagt ein Tourismusmanager, mit der Bitte, seinen Namen nicht zu veröffentlichen.

Dazu kommt noch, dass die britische Regierung die Flüge durch die neu eingeführte Flughafensteuer noch einmal um fast 90 Euro verteuert hat, besonders für Inseln, die fast ausschließlich über britische Fluglinien zu erreichen sind, macht sich die Abgabe im Ticketpreis bemerkbar und „schreckt viele ab, zu uns zu reisen, wenn es keine Alternative gibt, als über London zu fliegen“, sagt der Manager.

Lockangebote bei Flügen

Auch die hohen Flugpreise haben die ersten Inseln nicht nur mit einer Erhöhung der Sitzplatzgarantien reagiert. Mit einer ungewöhnlichen Aktion versuchen die Bahamas, mehr europäische Touristen auf eine der rund 700 Inseln vor der US-Küste zu locken. Wer einen Ferienaufenthalt auf dem Archipel bucht, erhält Freiflug-Gutscheine ab Nassau zu den verschiedenen Inseln.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der bahamische Tourismusminister Vincent Vanderpool Wallache mit dieser ungewöhnlichen Aktion für das Urlaubsland in Kanada und den USA erfolgreich Touristen angelockt. „Nichts stimuliert die Besucher mehr, als billige Flugverbindungen“, versicherte Vanderpool in der bahamischen Hauptstadt Nassau.

 „Die meisten Touristen hassen es für den Flug viel Geld auszugeben“, schätzt auch Josef Forstmayr das Urlauberverhalten ein. Aber wenn sie angekommen seien, seien sie „meist nicht geizig und geben einiges aus.“ Das dürfte allerdings mehr auf Schweizer Urlauber zutreffen, denn während deutsche und österreichische Karibikreisende gerne auf den Cent schauen und die Alles-Inklusive-Resorts auf den Inseln bevorzugen, verbringen Schweizer Gäste lieber ihre Ferien in kleinen Boutiquehotels und „bestellen auch gerne À-la-carte-Menüs und ordern die Weinkarte.

Vor zu viel Optimismus warnte allerdings Sanguinetti mit Blick auf die Statistiken die Tourismusmanager der 18 CHTA-Mitgliedsländer in der Karibik. „Obwohl mehr Urlauber in die Region gereist sind, haben sie weniger Geld ausgegeben.“ Die Einnahmen aus dem Tourismus seien in den letzten fünf Jahren von 21 auf 18 Milliarden Euro zurückgegangen.

 „Es geht darum, dass unterm Strich auch die lokale Ökonomie profitiert“, sagte Sanguinetti und forderte ein Ende des Preisdumpings. Allerdings mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Der CHTA-Chef schätzt, dass die Gewinne und Zimmerpreise noch immer unter dem Niveau von vor vier Jahren liegen.

30 Jahre Caribbean Tourism Marketplace

Der jahrelange Rückgang der Nachfrage hat auch bewirkt, dass das jährliche Hotelierstreffen in der Karibik, das seit 30 Jahren stattfindet, an Bedeutung für den europäischen Markt verloren hat. In Boomzeiten drängten sich die Einkäufer fast aller großen Reiseanbieter aus Deutschland, der Schweiz und Österreich auf dem Marketplace.

In diesem Jahr ließ sich nur die Produktmanagerin von Airtours, Hillegonda Hillmann, bei den Ausstellern sehen, um den Markt zu beobachten und Vorverhandlungen für neue Vertragsabschlüsse zu führen, die dann auf der ITB abgeschlossen werden können. „Derzeit tut sich wenig. Der Markt ist stabil aus deutscher Sicht.“ Gute Chancen sieht Hillmann nach wie vor auf dem Luxusmarktsegment und rechnet mit leichten Zuwächsen, während bei den Massendestinationen die Preise stabil seien. Besonders die Dominikanische Republik, lobt Hillmann, sei in allen Segmenten „unschlagbar im Preis-Leistungsverhältnis“.

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