Wenn die Sirene auf der AIDA heult, steht nicht immer der Ernstfall bevor

Seenotrettungsübung in der Karibik

Innerhalb von 24 Stunden – so sieht es das internationale Seerecht vor – muss mit den Passagieren die Evakuierung des Schiffs simuliert werden.

Hans-Ulrich Dillmann, 31. Januar 2012

Sechs Mal kurz, dann ein langer impertinenter Ton. 10 Uhr morgens und durch den Stahlkörper mit den 13 Decks und den 1.025 „PaxKabinen“ jault die Alarmsirene. SNRÜ – Seenotrettungsübung nennt sich der simulierte Schiff-Gau auf der AIDAluna. „Wer auf der Fahrt schon eine Übung mitgemacht hat“, hatte die Stimme am Ablegetage, 14 Stunden zuvor, über den Lautsprecher erläutert, „empfehlen wir die Teilnahme.“ (AIDA und Tui Mein Schiff haben inzwischen mitgeteilt, dass die Rettungsübung künftig direkt am Ankunftstag stattfinden wird.)

„Wer auf der Fahrt schon eine Übung mitgemacht hat“, hatte die Stimme am Ablegetage, 14 Stunden zuvor, über den Lautsprecher erläutert, „empfehlen wir die Teilnahme.“ (AIDA und Tui Mein Schiff haben inzwischen mitgeteilt, dass die Rettungsübung künftig direkt am Ankunftstag stattfinden wird.)

Die Hektik des Ankunftstags mit verspäteten Zubringermaschinen aus Deutschland, aber wollte niemand noch komplizierten gestalten. Schließlich soll den neuen Passagieren nach zehn Stunden Flug nach La Romana in der Dominikanischen Republik nicht die Ferienstimme im abendlichen Willkommensfest vermiest werden.

Die Stimmung ist wie auf einem Schulausflug. Der „witzige“ Klassenclown inklusive. Immer wieder stauen sich die Passagiere, die zum „Sammelpunkt“ streben. Die Blitzlichter der Digitalkameras erhellen Flur und Treppenhaus, um für die Verwandtschaft das Abenteuer Katastrophenübung als Erinnerungsfotos festzuhalten. „So sah Tante Jutta in gespielter Panik aus!“

Die alten Hasen unter den Kreuzfahrtpassagieren kennen das Prozedere. Je schneller man sich auf dem fünften Deck zeigt und auf der Liste abhaken lässt, sich unter dem zugewiesenen Rettungsboot aufstellt, um so schneller kommt man wieder auf die Sonnenterrasse, um den ersten Seetag zu genießen.

Auffallen um jeden Preis für die Fotografen: Seenotrettungsübung auf der AIDA. Foto: Hans-Ulrich Dillmann

Die „Neulinge“ fallen durch den Versuch auf, dem gespielten Ernstfall etwas Witziges abzugewinnen. Ohrenschützer haben die einen aufgesetzt, andere haben noch vom vergangenen Weihnachtsfest einen Haarreif mit Sternen an Springfedern mitgebracht, schließlich muss man auf den Fotos des Foto- und Kamerateams der AIDA für Tante Klara in Zwickau und Onkel Heribert in Bad Münstereifel deutlich erkennbar sein.

Wer sich was einfallen lässt, um aufzufallen, der hat die Chance, dass der Schiffs-Kameramann ihm besondere Aufmerksamkeit auf einem Filmsegment auf dem am Ende der Reise käuflich zu erwerbenden „Erinnerungsfilm an ein besonderes Ferienerlebnis“ widmet.

Natürlich fehlen Passagiere, die namentlich und mit Kabinennummer aufgerufen werden – Spießrutenlaufen inklusive. Besatzungsmitglieder gehen sie suchen. Karl* und Martha* flanieren gelangweilt herbei. „Warum soll ich die Weste anziehen?“, mault Karl, „die ist so warm.“ Die letzten zwei haben wohl fest geschlafen und versuchen sich mit hochrotem Kopf auf ihren Platz zu schleichen. Lautes Buhen und Pfeifen begleitet ihr Eintreffen.

Ein Erinnerungsfoto wagen die Beiden dann doch noch. „Ende der Seenotrettungsübung“ verkündet der Lautsprecher unter Beifall. Endlich geht’s rauf aufs Sonnendeck.

* Name geändert

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