Interpol statt Weltuntergang

Sektenführer Peter Brunck

Seit den 90ern lebt der Sektenführer Peter Brunck in der Dominikanischen Republik. Auf ihrem Anwesen warten er und seine Jünger auf die Ankunft von Ufos. Stattdessen klingelt die Polizei – Brunck und seine Anhänger greifen zu den Waffen. Ein Deutscher wird getötet.

von Hans-Ulrich Dillmann, Financial Times Deutschland, 18. Oktober2012

Für dieses Jahr hatte Sektenführer Peter Brunck seinen Anhängern eine Riesenkatastrophe angekündigt. Von Ufos hatte der Chef der »Akademie für zukünftige Gesundheit« (Academy for Future Health – AFFH) schwadroniert, und dass »sich der Planet Erde seiner Vervollkommnung« nähern würde.

Doch statt des Weltuntergangs kam am Mittwochmorgen um 8.30 Uhr die dominikanische Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl für das weitläufige Gelände der Sekte im Ferienparadies Sosúa in der Dominikanischen Republik. Auch Interpol soll nach lokalen Medienangaben an der Aktion beteiligt gewesen sein.

Brunck und Konsorten setzten sich mit Sturmfeuergewehren zur Wehr. Am Ende eines einstündigen Feuergefechts war ein Deutscher tot, der Sektenführer verletzt und eine dritte Deutsche abgeführt. Videoaufnahmen, die im Internet veröffentlicht wurden, zeigen den Deutschen leblos in einer Blutlache liegen. Er trug eine schusssichere Weste. Drei Polizeibeamte seien verletzt worden, teilte ein Polizeisprecher mit.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte, dass ein deutscher Staatsangehöriger in der Dominikanischen Republik ums Leben gekommen und drei weitere Deutsche verletzt worden seien. Angaben zu den Umständen machte sie nicht.

Generalstaatsanwalt Francisco Domínguez Brito und der Chef der dominikanischen Polizei José Armando Polanco Gómez präsentierten anschließend das Waffenarsenal der Gruppe: Maschinengewehre mit Zielfernrohr, zwei Granaten, Schnellfeuergewehre, Pistolen und landläufige Pump-Guns und Unmengen an Gewehr-, Pistolen- und Schrotmunition.

Auf dem Anwesen in Villenviertel von Sosúa lebte der 61-jährigen Sektenführer Brunck mit seiner Frau Brigitte und einer Handvoll Anhänger abgeschottet von der Außenwelt.

Nachbarn hatten sich in den Jahren zuvor immer wieder über die Gruppe beschwert. Der Immobilienhändler und selbst ernannte Wunderheiler sperre ihnen Strom und Wasser ab. »Sie haben uns terrorisiert«, sagte ein Nachbar am Donnerstagmorgen. »Hoffentlich ist jetzt endlich wieder Ruhe.«

Ende der 90er-Jahre soll Brunck sich in der Dominikanischen Republik niedergelassen habe. Er selbst behauptet, zwei Doktortitel zu besitzen: in Naturwissenschaft und Religionswissenschaften. Doch Journalisten des Senders Sat1 berichteten vor einigen Jahren, der Sektenführer habe lediglich einen Hauptschulabschluss. Bei Vortragsreisen in deutschsprachigen Ländern erklärte Brunck seinen Zuhörer für 150 Euro pro Person die verschiedenen Stufen der Bewusstseinserweiterung und der Autoimmunisierung gegen das »Böse in der Welt«. In Sosúa gründete er sogar eine Deutsche Schule.

Allerdings versuchte er vergeblich, von Deutschland eine offizielle Anerkennung für die Bildungseinrichtung zu erhalten. Auf der Webseite der Sekte heißt es: »Unser Werk ist getan, nun darf jeder ernten, was er in seinem Leben gesät hat.«

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