Auf der Suche nach dem Hacker

Polizei durchsucht in Santo Domingo die Redaktionsräume von „El Siglo 21“

Die Digitaltageszeitung „El Siglo 21“ hat Auszüge aus der E-Mail-Korrespondenz der Präsidentengattin Margarita Cedeño de Fernández veröffentlicht, um zu beweisen, dass Staatsgelder illegal für den Wahlkampf von Cedeño de Fernández verwandt werden, die beim Urnengang am 20. Mai für das Amt der Vizepräsidentin kandidiert.

Santo Domingo, 11. Februar 2012

Mitglieder der Antiterroreinheit SWAT haben am Freitag in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo die Redaktionsräume der digitalen Zeitung „El Siglo 21“ besetzt und durchsucht. Auch Steuerfahnder waren dabei anwesend. Der Server des Webportals ist seitdem abgeschaltet. Gleichzeitig wurden die Wohnungen des Besitzers und des Chefredakteurs sowie die Räumlichkeiten eines zum Konzern gehörenden Fernsehsenders durchsucht. Redakteure des Siglo 21 sollen nach inoffiziellen Justizangaben die E-Mail-Korrespondenz der Präsidentengattin Margarita Cedeño de Fernández illegal kopiert und Informationen daraus publiziert haben. Cedeño de Fernández kandidiert bei den für Mai anberaumt Wahlen als Vizepräsidentin für die Partei der dominikanischen Befreiung (PLD).

Der Chefredakteur von „El Siglo 21“ Radhames Gómez Sanchez bezeichnete die Durchsuchungsaktion als „Angriff auf die Pressefreiheit“ und „Repressalie, weil wir Fälle von Korruption innerhalb der Regierung publik gemacht haben.“ Auch der Inhaber der Zeitung, Guillermo Gómez, bekannter Anhänger der oppositionellen sozialdemokratischen Revolutionspartei, machte die Regierung von Präsident Leonel Fernández für die Durchsuchung verantwortlich. „Es sei ein grober Angriff auf die Meinungsfreiheit in der Dominikanischen Republik, weil Fernández und andere Plünderer öffentlichen Eigentums die Öffentlichkeit durch Medienunternehmen wie El Siglo 21 fürchten.“

Das Internetportal hatte in den letzten beiden Wochen Teile der angeblichen elektronischen Korrespondenz der Präsidentengattin im Vorfeld ihrer Nominierung als Vizepräsidentin publiziert, die zwischen ihrem Büro und der Ehefrau eines der einflussreichsten Bankiers des Landes publiziert. Dabei ging es um Zahlungen durch die dominikanische Volksband, um die Nominierung durchzusetzen. Außerdem hatte die Zeitung behauptet, dass Funktionäre der Regierung Haushaltsgelder für die Wahlkampagne abzweigen.

Guillermo Gómez hat die Vorwürfe, seine Redaktion habe illegal den E-Mail-Account der Präsidentengattin geknackt, zurückgewiesen. Die Informationen seien ihr zugespielt worden. Das Kollegium der dominikanischen Journalisten (CDP) hat auf die Durchsuchungsaktion zurückhaltend reagiert. Der CDP-Sprecher Aurelio Henriquez forderte in der Tageszeitung „Hoy“ lediglich Regierung und die Strafverfolgungsbehörden auf, „dass bei allen Maßnahmen das Interesse der freien Berufsausübung der Journalismus“ nicht eingeschränkt werden dürfe.

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